Wie sieht die ideale Bewerbung aus?

14. April 2020 | Christian Kersten


Mittlerweile ist eine digitale Bewerbung längst in allen Branchen Standard. Das zeigt auch eine repräsentative Umfrage aus dem Oktober 2018 von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Von 304 befragten Personalverantwortlichen in Unternehmen ab 50 Mitarbeitern bevorzugen 86 Prozent digitale Bewerbungsunterlagen. Davon möchten 59 Prozent die Bewerbung per E-Mail erhalten und 27 Prozent über ein Online-Bewerbungstool. Nur noch drei Prozent der befragten Personalverantwortlichen erwartet die Bewerbung schriftlich mit einer Bewerbungsmappe. Neun Prozent haben keine Präferenz.

Eine gedruckte Bewerbungsmappe spielt höchstens noch im öffentlichen Dienst oder bei kleineren Handwerksbetrieben eine Rolle, in anderen Branchen hingegen gar nicht mehr – im Gegenteil: Sie wird in den meisten Personalabteilungen als lästig empfunden, da die Unterlagen nachträglich eingescannt und umständlich in das Bewerbermanagement des Unternehmens eingepflegt werden müssen.

Christian Kersten, HR Consultant, az Personalkonzepte

Die ideale Bewerbungsmappe

Ob digitale Bewerbung per Mail bzw. Online-Formular oder ausgedruckt per Post: Für beide Varianten brauchen Bewerber eine Bewerbungsmappe. Die Regeln für ihren Aufbau und die Sortierung sind identisch. Die Bewerbungsmappe bleibt damit ausdrucksstarke Visitenkarte und erste Arbeitsprobe in einem.

Die Reihenfolge und Sortierung der Bewerbungsunterlagen

Die Inhalte einer Bewerbungsmappe sind in einer standardisierten Reihenfolge zusammengestellt. Sie sind für eine Bewerbung per Mail in der digitalen Bewerbungsmappe in ein Dokument zusammengefasst, so dass Personalentscheider nur einen Anhang öffnen und speichern müssen und nicht mehrere Anhänge.

Als erstes kommt das Anschreiben. Es gilt bei gedruckten Bewerbungsmappen nach wie vor als das wichtigste Dokument und als Herzstück der Bewerbung. Das hat sich bei digitalen Bewerbungen geändert: Hier ist das Anschreiben nicht mehr unbedingt Pflicht, weiß Christian Kersten: „Immer mehr Unternehmen verzichten ausdrücklich auf das Anschreiben. Aber: Wenn auf der Karriereseite des Unternehmens nichts anderes steht, sollte ein Anschreiben verfasst werden.“

Es folgt die eigentliche Bewerbungsmappe mit Lebenslauf, Zeugnissen und weiteren bewerbungsrelevanten Dokumenten wie Zertifikaten, Referenzen oder Empfehlungsschreiben. Optional können auf einem Deckblatt vor dem Lebenslauf die wesentlichen Angaben wie auch die Motivation der Bewerbung kurz zusammengefasst werden. Das ist aber kein Muss und wird von Personalverantwortlichen nicht verlangt.

Aufbau und Inhalte der einzelnen Unterlagen

Tipps für Bewerber zur optimalen Ausgestaltung:

Das Anschreiben kurz halten und möglichst nicht das Gleiche ausführlich schreiben, was auch schon im Lebenslauf steht. Wir empfehlen, folgende Informationen im Anschreiben zu liefern: Was bringe ich für die konkrete Stelle an relevanten Fähigkeiten mit und warum interessiert mich diese Stelle. Außerdem sollte der Bewerber schreiben, was ihn an dem Unternehmen, bei dem er sich bewirbt, interessiert. So erkennt der potenzielle neue Arbeitgeber gleich, dass sich der Bewerber mit der Position und dem Unternehmen beschäftigt hat, und dass es keine lieblose 08/15-Bewerbung ist, die unverändert an mehrere Betriebe verschickt wird. Bei einer Kurzbewerbung sollte beim Anschreiben eine maximale Länge von einer DIN-A4 Seite nicht überschritten werden.

Der Lebenslauf ist tabellarisch und chronologisch aufgebaut. Die letzte Anstellung bzw. Tätigkeit steht an erster Position. Danach kommen die Anlagen mit Arbeitszeugnissen und – falls vorhanden – Universitäts- und Hochschulzeugnissen, gefolgt von Ausbildungszeugnissen, bei denjenigen, die eine Berufsausbildung haben. Diese Anlagen sind in der gleichen Reihenfolge sortiert, wie sie im Lebenslauf stehen, also chronologisch rückwärts mit der letzten Anstellung oder dem letzten Abschluss zuerst.

Nur Zeugnisse senden, die für die konkrete Stelle, auf die ich mich bewerbe, relevant sind. Beispiel: Wenn ich 40 Jahre alt bin und zuletzt als Online-Marketing-Manager gearbeitet habe, mich jetzt als Teamleiter im Marketing bewerbe, aber als 18-Jähriger eine erste Ausbildung zum Restaurantfachmann absolviert habe, brauche ich dieses Ausbildungszeugnis nicht versenden. Es ist schlichtweg irrelevant. Es gilt der Grundsatz: Alle relevanten Ausbildungs- bzw. Hochschulabschlusszeugnisse, sowie zusätzlich die Arbeitszeugnisse der letzten zehn Jahre sollten mitgeschickt werden.

Ein Abschlusszeugnis der Schule brauchen nur diejenigen Bewerber, die gerade ins Berufsleben einsteigen. Nachweise über Fort- und Weiterbildungen oder besondere Qualifikationen, die zu der ausgeschriebenen Stelle passen, können die Mappe ergänzen.

Format der Bewerbungsmappe

Zwar gibt es unterschiedliche Formen, üblich ist aber nach wie vor das Format DIN-A4. Das liegt vor allem daran, dass andere, eigenwilligere Formate für Personalverantwortliche eher unpraktisch und aufwändig in der Handhabung sind. Die Ausnahme der Regel: DIN A4 ist zwar nach wie vor Standard und sollte verwendet werden. Wer sich wiederum als Grafiker oder in einem anderen kreativen Beruf bewirbt, kann auch individuelle Formate verwenden. Ein Bankkaufmann oder Buchhalter sollte bei DIN A4 bleiben. Alles andere wirkt schnell aufgesetzt oder peinlich.

Die Qualität entscheidet. Personalverantwortliche möchten sich schnell ein möglichst präzises Bild von der BewerberIn machen und entscheiden, ob sie oder er die geeignete Person für die ausgeschriebene Stelle ist oder für eine andere Position im Unternehmen die richtige Wahl sein könnte. Drei Kriterien sind Personalverantwortlichen besonders wichtig: Eine fehlerfreie Orthographie, ein übersichtlicher Aufbau des Lebenslaufes, sowie das Nennen von relevanten Informationen für die ausgeschriebene Stelle.

Ein letzter Tipp für Bewerber: Seien Sie penibel bei Grammatik und Sprache, vermeiden Sie lange, komplizierte Schachtelsätze. Wenn möglich, lassen Sie Anschreiben und Lebenslauf von jemand anderem gegenlesen und auf Fehler prüfen. Vermeiden Sie Standardformulierungen, formulieren Sie klar und bringen Sie Ihre Motivation für die Bewerbung auf den Punkt. Erläutern Sie ohne Übertreibung, wieso Sie die richtige Person für die Position sind und welchen Beitrag und Mehrwert Sie für das Unternehmen bieten.

Viel Erfolg!

—————

Was Bewerber (noch) wissen sollten, welche Fragen Sie in einem Bewerbungsgespräch erwarten können und welche Fragen Sie stellen dürfen, erfahren Sie in unserem Blog.


Share


Warum sollten wir gerade Sie einstellen? Wenn Personaler fragen

12. Februar 2020, Carolin Sprenger


"Eine der am gefürchtesten Fragen von einem Personaler an einen Bewerber im Vorstellungsgespräch ist: „Warum sind Sie der beste Kandidat…"

weiterlesen

Mit welchen Fragen an den Personaler punkten Sie im Vorstellungsgespräch?

29. Januar 2020, Carolin Sprenger


"Sie sitzen im Vorstellungsgespräch, Ihr möglicher neuer Arbeitgeber hat sich vorgestellt und auch die schwierigen Fragen, wie „Warum sind gerade…"

weiterlesen

Was Bewerber wissen sollten

27. Februar 2020, Carolin Sprenger


"In diesem Beitrag geht es um Sie – und nur um Sie: Denn Sie haben es in der Hand, ob…"

weiterlesen