Was Bewerber wissen sollten.

27. Februar 2020 | Corinna Wesenberg

Jede berufliche Veränderung, ob Weiterbildung, Kündigung oder der komplette Neustart, wirft Fragen auf. Wir beantworten häufig gestellte Fragen unserer Bewerber.


In diesem Beitrag geht es um Sie – und nur um Sie: Denn Sie haben es in der Hand, ob Ihre Arbeit Sie erfüllt, ob Sie das tun, was Sie tun wollen oder welches Gehalt am Ende des Monats auf Ihr Konto fließt. Mit einer beruflichen Veränderung gehen viele Fragen einher – ob praktischer und inhaltlicher Natur. Unsere erfahrenen HR Consultants und Coaches beantworten hier häufig gestellte Fragen unserer Bewerber. Diesen Fragenkatalog werden wir sukzessive erweitern.

1. Wie sollte ich meine Kündigungsfrist im Anschreiben angeben?

Beantwortet von Sabine Meinecke:

Häufig rechnen Bewerber*innen aus, wann – anhand ihrer Kündigungsfrist – das früheste Eintrittsdatum bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber möglich wäre und geben dieses an. Dieses Datum kann aber zum Zeitpunkt eines eventuellen Vorstellungsgesprächs bereits überschritten sein, da zwischen Bewerbungsversand und Vorstellungstermin einige Wochen vergehen können.

Zielführender ist hier, die vertraglich vereinbarte Frist zu nennen anstelle eines konkreten Startdatums.

Grundsätzlich ist die Angabe der Verfügbarkeit sehr ratsam, denn wenn ein Unternehmen eine Stelle zu besetzen hat, besteht oftmals ein gewisser Zeitdruck. Gründe können sein: eine hohe Auftragslage, starkes Unternehmenswachstum, das Ausscheiden eines Mitarbeiters etc.

Eine Regel gilt grundsätzlich: Eine Information die ich NICHT gebe, wird dazu führen, dass der Leser meiner Unterlagen interpretiert/mutmaßt. Diese Interpretation kann falsch sein und zu meinen Ungunsten ausfallen. Das gilt es zu verhindern.

Wer seine Verfügbarkeit nicht angibt, dem kann man unterstellen, dass er/sie eine sehr lange Kündigungsfrist einzuhalten hat. Damit erhöht sich das Risiko, nicht eingeladen zu werden. Bei einer konkreten Angabe, auch wenn es eine sehr lange Frist ist, kann sich der potentielle Arbeitgeber darauf einstellen und eventuell intern Maßnahmen ergreifen, sodass auch ein späterer Start möglich wäre.

2. Muss ich meine Gehaltsvorstellungen im Anschreiben unbedingt nennen?

Beantwortet von Sabine Meinecke:

Wenn in der Stellenausschreibung danach gefragt wird, sollte man als Bewerber auf jeden Fall eine Angabe zum Wunschgehalt machen. Auch hier gilt wieder: eine fehlende Information führt zu (Fehl-)Interpretation.

Für die Dotierung einer Vakanz liegt bei frei verhandelbarem Gehalt im Unternehmen meist ein Richtwert oder eine Spanne vor. Wer keine Auskunft über seinen Gehaltswunsch liefert, läuft Gefahr, dass spekuliert wird, die Gehaltsvorstellungen seien weit über dem Richtwert oder Marktwert und die Einladung zum Vorstellungsgespräch bleibt somit aus.

Wer befürchtet, mit seiner Angabe zu hoch oder zu niedrig zu liegen, sollte eine Gehaltsspanne angeben.

Dabei gilt: Je höher der Gehaltswunsch, desto breiter kann die Spanne gefasst sein.

Als Bewerber sollte man sich dabei bewusst sein, dass der zukünftige Arbeitgeber versuchen wird, den niedrigsten Betrag der angegebenen Spanne zu vereinbaren. Demnach empfiehlt es sich, als kleinsten Betrag der Spanne nicht die eigene unterste Schmerzgrenze anzugeben, sondern von vornherein diesen etwas höher anzugeben.

Möchte man bspw. Minimum 52.000€ im Jahr verdienen, ließe sich als Gehaltswunsch eine Spanne zwischen 54.000-58.000€ Bruttojahresgehalt angeben. Bei einem gewünschten Bezug von 120.000€ kann auch eine breitere Spanne z.B. zwischen 125.000-135.000€ angeben werden.

Wird in der Stellenausschreibung nicht nach einem Gehaltswunsch gefragt, gibt es im Unternehmen oftmals einen Tarifvertrag, der die Gehaltsstrukturen vorgibt.

3. Wenn ich arbeitslos geworden bin, sollte ich angeben, dass ich bereits ohne Arbeitgeber bin? Ich habe Angst, dass das meine Position schwächt und man mich im Gehalt runterhandeln will.

Beantwortet von Sabine Meinecke:

2 Punkte, die dafür sprechen, diese Information durch Lebenslauf und/oder Anschreiben gleich offen zu legen:

Erstens: Spätestens im Vorstellungsgespräch wird man als Bewerber sowieso sagen müssen, dass das Vertragsverhältnis bereits beendet ist. Wenn die Unterlagen so aufbereitet sind, dass das nicht deutlich wird, kann sich der Gegenüber womöglich hinters Licht geführt fühlen.

Zweitens: Wer bereits arbeitslos ist, kann einem neuen Arbeitgeber sofort zur Verfügung stehen. Eine zeitnahe Eintrittsmöglichkeit wird oft als positiv empfunden.

Und noch eine moralische Anmerkung: Wenn ein Arbeitgeber aus der vermeintlichen Notsituation der Arbeitslosigkeit Profit schlagen möchte, sollte man sich gut überlegen, ob dieser Arbeitgeber wirklich der passende Arbeitgeber ist. Entscheidend ist, dass man als Bewerber selbst für sich klar definiert hat, auf welches Gehalt man sich minimal herunterhandeln lassen würde und diesen Standpunkt auch vertritt, unabhängig von der persönlichen Ausgangsposition.

Bleiben Sie dran. Bald geht es hier weiter … mit weiteren Fragen und Antworten.

—————

Sie benötigen jetzt Antworten auf Ihre Fragen? Die eigene Klarheit ist wichtig. Klarheit darüber, was Ihnen wirklich wichtig ist, was Sie mit einer Veränderung im Job verbinden und welchen Nutzen diese hat. Suchen Sie nach mehr Zufriedenheit und Wertschätzung oder nach Anerkennung und Status? Manche brauchen einen kompletten Neustart, bei anderen müssen nur kleine Stellschrauben justiert werden. Wir begleiten Sie dabei mit unserem Karrierepilot – eine Art Checkliste für Ihren Neustart.


Share